Michael Bechtel/Volker Thomas “Schreiben über Technik”, 233 Seiten, 24,90 €, UVK, ISBN: 978-3867642873;
Meistens passt es nicht zusammen: Entweder jemand kennt sich mit Technik aus und vermag dieses Wissen nicht zu vermitteln, oder jemand schreibt gut, versteht aber technische Zusammenhänge zu wenig. Am Ende jedenfalls steht in den meisten Medien eine Technikberichterstattung, die für den laienhaften Leser ungeeignet ist. Die beiden erfahrenen freien Journalisten Michael Bechtel (Bad Honnef) und Volker Thomas (Berlin) wollen daran unbedingt etwas ändern und haben ein Handbuch vorgelegt.
Technik prägt unser Leben, das ist der Grundansatz der beiden Autoren, und darum muss sie auch für jedermann vermittelt werden können. Dabei geht es nicht darum, bis zur Unkenntlichkeit zu vereinfachen, wichtiger ist es, Bezugspunkte zum Alltag zu finden.
Darum haben Bechtel und Thomas auch einen, wie sie es nennen, “prozessorientierten Ansatz” gewählt und zerlegen die journalistische Arbeit in Einzelschritte, von der Idee bis zum Manuskript. Dabei fangen sie wirklich ganz von vorne an, bei der Frage nämlich wie Lesen funktioniert und mit welcher Einstellung der Journalist herangehen muss.
Es folgen die Recherche, die Frage nach Bericht oder Reportage, der Einstieg in den Text, die richtigen Formulierungen und ganz zum Schluss die selbstkritische Prüfung mit einer Checkliste zur Textoptimierung und einem Bekenntnis zum Vieraugenprinzip, also zum Gegenlesen.
Ein gutes Handbuch. Wer’s beachtet, tut sich und seinen Lesern viel Gutes.
Bewertung: ****
Online auf : leseblog.de („Lauter Lesenswertes“)
Hinweis in MediumMagazin Nr. 4-5/2011 unter dem Thema „Fachjournalismus“
Vom Leser her denken…
Michael Bechtel und Volker Thomas: “Schreiben über Technik”. Verlag: UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2011; Reihe „Praktischer Journalismus“ Band 91; 232 Seiten, broschiert. Preis: 24,90 Euro. ISBN 978-3-86764-287-3.
Rezension von Norbert Schulz-Bruhdoel, Remagen
nsb) Solche Bücher sind viel zu selten: praktische Ratgeber für den Arbeitsalltag, die über die Häufung von Checklisten hinaus gehen und sogar Spaß beim Lesen machen. Michael Bechtel und Volker Thomas haben mit „Schreiben über Technik“ eine Lücke geschlossen, die eigentlich kaum zu verstehen ist: Warum gibt es in einer Welt, die von Technik und naturwissenschaftlichen Anwendungen durchdrungen ist, kaum ein Fachbuch, das Journalisten, Autoren, Mitarbeitern in Pressestellen und Kommunikationsagenturen hilft, für solche Themen die angemessene Darstellungsform und die richtige Sprache zu finden?
Die beiden erfahrenen Journalisten empfehlen ein systematisches, schrittweises Vorgehen und klammern von der Vorrecherche bis zum letzten Feinschliff am Text nichts aus, was dem Leser dienen kann. Und genau das macht den Wert und den Reiz dieses Buches aus – es ist konsequent von der Seite der Nutzer her gedacht: Wie kann ein Schreiber erreichen, dass die Leser komplexe technische und naturwissenschaftliche Sachverhalte verstehen und nachvollziehen können?
Konsequent informieren sie zunächst über wichtige Erkenntnisse der Leserforschung, machen daran deutlich, wie wichtig das eigene Verstehen und Durchdringen der Sachverhalte durch intensive Recherche ist. Erst dann geht es um mögliche Darstellungsformen, Textaufbau und Sprachqualität.
Die zahlreich eingestreuten Beispiele und Checklisten machen auch dem Schnellleser klar, um was es geht. Und noch ein Plus: Die Autoren klammern weder den Text für die Online-Rezeption aus, noch den Sprechtext fürs Radio oder zur Unterstützung von bewegten Bildern, sondern arbeiten die Konturen der jeweiligen Besonderheiten deutlich heraus.
Diesem Buch sind viele Käufer, viele Auflagen und das gütige Schicksal eines Longsellers zu wünschen. Dem Verlag UVK gilt ein dickes Lob, dass er die richtigen Autoren für dieses vernachlässigte Thema gefunden hat!
Pfeffers PR Journal April 2011
Rezension: Schreiben über Technik
Technik, egal ob nun Informations-, Fertigungs- oder Energietechnik, prägt unser Leben. Doch nicht immer wird sie verständlich und nutzerorientiert erklärt. Eine Erfahrung, die jeder täglich beim Lesen der Tageszeitung oder von Fachzeitschriften macht. Doch wie besser machen? Michael Bechtel und Volker Thomas – beide Fachjournalisten mit eigenem Textbüro – erläutern in ihrem Buch „Schreiben über Technik“ Strategien zur Popularisierung technischer Themen.
Nach einem etwas mühsamen Einstieg mit Kapiteln wie „Lesen ist Lernen“ und „Die richtige Einstellung“ beschreiben sie Schritt für Schritt (etwa „Sammeln, Sichten und Verstehen“, „Bedenke wohl die erste Zeile“ und „Den Leser bei der Stange halten“) die Aufgaben des
Autors bei der Stofferarbeitung und der Produktion von verständlichen Texten. Ob es nun um die Recherche oder das Rechercheinterview geht, fast alle Kapitel werden mit einer Checkliste abgeschlossen. Rund 100 der 234 Seiten befassen sich mit Textformen wie Nachricht, Bericht, Feature, Reportage und Interview – Textformen, wie sie der herkömmliche Journalismus, aber auch der Fachjournalismus kennt. Dabei wird auch auf den Fachbericht und den Anwenderbericht eingegangen, genau genommen den Anwenderbericht mit Nutzwert, welcher gegenüber dem häufigen Anwenderbericht mit PR-Absicht abgegrenzt wird. Nicht ganz einsichtig folgt ein Kapitel „Die Kunst des populären Technikbuches“. Schreiben fürs Hören und Schreiben für den Bildschirm bilden weitere Themen. Schreibregeln runden den Band ab: Verständlichkeit, Klarheit und Kürze gelten für alle Texte – auch für technische.
Man hat (als Journalist) den Eindruck, eine Menge schon anderswo, sprich in anderen journalistischen Lehrbüchern, gelesen zu haben. Dagegen wird auf Textkategorien wie Testbericht und Produktvergleich, die nicht eben selten im Technikjournalismus vorkommen, überhaupt nicht eingegangen. Kein Thema sind für die Autoren auch Theorien des Journalismus – vermutlich, weil die Autoren eine journalistische Perspektive bevorzugen.
BECHTEL und THOMAS folgen einem „prozessorientierten Ansatz“ und zerlegen die Schreibarbeit von der Idee bis zum druckfertigen Manuskript in eine Abfolge von Arbeitsvorgängen, die alle ihre Anforderungen und Probleme haben. Die Fachwelt ist nicht ihr Thema, sondern die allgemeine, nicht vorgebildete Öffentlichkeit; hier hätte ein kleiner Ausflug in die empirische Forschung zum Thema „Interesse der Leser an der Technik“ oder nur wenig weiß – so wissen Programmierer selten viel über Netzwerk- und Routertechniken.
Vor allem Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler aus dem technischen Umfeld – neben Fachjournalisten vom Verlag als Zielgruppe des Buches genannt – müssen mehrheitlich für ein Fachpublikum schreiben. Doch trotz der „journalistischen Ausrichtung“ eignet sich der Band als eine Art Handwerkskasten auch für diese Zielgruppe; mithilfe der 20 nützlichen Checklisten und der Regeln für die sprachliche Optimierung lassen sich grobe Fehler
verhindern. Zu guter Letzt noch ein Wunsch: Die nächste Ausgabe bitte um ein Kapitel zum Fachpublikum ergänzen. //
Der Rezensent und Soziologe Manfred Weise, geboren 1955, arbeitet als Fachjournalist (IT, Telekommunikation) und Sozialwissenschaftler. Er ist Autor von mehreren Beiträgen zum Thema Technikjournalismus (u.a. in den DFJV-Bänden „Technikjournalismus“ und „PR für Fachmedien“)
In : Der Fachjournalist 3/2011